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WISSEN · CONTENT · LESEDAUER: CA. 10 MINUTEN
Welche Hotel-Reels wirklich Reichweite bringen
Kurz zusammengefasst: Wir haben 45 Instagram-Reels und 29 Feed-Posts aus drei von uns betreuten Hotels über viereinhalb Monate ausgewertet, rein organisch, ohne einen Euro Werbebudget. Das deutlichste Ergebnis: Ein Reel, in dem eine Person durch etwas hindurchführt, erreichte 181 Prozent des Kanal-Medians. Dieselben Räume ohne Person kamen auf 91 Prozent. Gleichzeitig ist genau dieser schwächere Typ der am häufigsten produzierte. Dieser Beitrag zeigt die Zahlen dahinter, drei Messregeln, ohne die falsche Ergebnisse herauskommen, und einen Irrtum, den wir selbst korrigieren mussten.
Die Datengrundlage
45 Reels und 29 Feed-Posts von drei Hotels im süddeutschen Raum, Zeitraum 1. April bis 12. August 2026. Alle Werte organisch: Für jedes Reel wurde geprüft, ob Werbebudget, bezahlte Reichweite oder bezahlte Aufrufe vorliegen. Die Felder sind durchgehend leer.
Die belastbarste Einzelreihe kommt von einem Haus mit 23 Reels über den ganzen Zeitraum. Sein Kanal-Median liegt bei 3.134 Aufrufen und 1.770 erreichten Personen. An diesem Median werden unten alle Formate gemessen, 100 Prozent heißt also durchschnittlich für diesen Kanal.
Die Zahlen
Sortiert nach Aufrufen, in Prozent des Kanal-Medians. Alle Werte sind Mediane der jeweiligen Gruppe, die Zahl in Klammern ist die Anzahl der Reels.
Meilenstein oder Neuigkeit: 203 Prozent (1 Reel). 6.361 Aufrufe, 3.624 erreichte Personen.
Tour, bei der eine Person mitnimmt: 181 Prozent (3 Reels). 5.677 Aufrufe, 3.045 erreichte Personen.
Koch als Person, ohne Rezept: 113 Prozent (2 Reels). 3.548 Aufrufe, 1.982 erreichte Personen.
Gäste-Testimonial: 100 Prozent (3 Reels). 3.134 Aufrufe, 2.052 erreichte Personen.
Stimmungsbilder vom Haus: 91 Prozent (8 Reels). 2.854 Aufrufe, 1.676 erreichte Personen.
Küche ohne Person im Bild: 65 Prozent (3 Reels). 2.046 Aufrufe, 1.218 erreichte Personen.
Koch kocht ein Rezept zum Nachmachen: 46 Prozent (3 Reels). 1.433 Aufrufe, 931 erreichte Personen.
Der teuerste Befund
Schau auf die Zahl der Reels in Klammern. Die größte Gruppe mit acht Reels sind Stimmungsbilder vom Haus, und sie liegt mit 91 Prozent unter dem Median ihres eigenen Kanals.
Das ist der Befund, der Geld kostet. Der am häufigsten produzierte Inhalt ist unterdurchschnittlich. Nicht katastrophal, aber eben auch nicht das, was einen Kanal nach vorne bringt. Und er ist deshalb der häufigste, weil er der bequemste ist: Schöne Aufnahmen vom Haus lassen sich ohne Absprache, ohne Termin und ohne jemanden vor der Kamera produzieren.
Die drei stärksten Formate haben eines gemeinsam, das die Stimmungsbilder nicht haben.
Die Person ist der Hebel, aber nicht so, wie man denkt
Die naheliegende Schlussfolgerung wäre: Menschen schlagen Räume. Wir haben das geprüft und die These hält nicht.
Trennt man den Datensatz nur danach, ob überhaupt ein Mensch spricht, bleibt ein Unterschied von 26 Prozent. Das ist spürbar, aber es erklärt die Spanne von 46 bis 181 Prozent nicht.
Die Küche desselben Hauses zeigt, worauf es wirklich ankommt. Drei Formate, ein Thema, drei Ergebnisse:
Der Koch spricht über seine Küche, seine Haltung, die Saison: 113 Prozent
Die Küche ohne Person im Bild: 65 Prozent
Der Koch kocht ein Rezept zum Nachmachen: 46 Prozent
Im schwächsten Format ist die Person im Bild, spricht und erklärt. Es liegt trotzdem am Ende. Bei den Räumen dasselbe Muster: mit einer Person, die hindurchführt, 181 Prozent, dieselben Räume ohne sie 91 Prozent.
Es zählt also nicht, dass jemand da ist. Es zählt, was er tut. Eine Person, die durch etwas Zusammenhängendes hindurchführt und einordnet, was man dort erlebt, funktioniert. Eine Person, die eine Anleitung abarbeitet, funktioniert nicht besser als eine leere Küche.
Eine Vermutung, warum: Das Rezept richtet sich an Menschen, die kochen wollen. Das Haus verkauft aber an Menschen, die verreisen wollen. Der Inhalt ist gut, er spricht nur die falsche Absicht an.
Das Signal, auf das fast alle zielen, ist das schwächste
Am Ende eines Reels steht meistens eine Frage: Was ist euer Lieblingsgericht, schreibt es in die Kommentare. Das zielt auf Kommentare.
Wir haben über alle 42 organischen Reels der drei Häuser geprüft, welches Interaktionssignal tatsächlich mit der Reichweite zusammenhängt. Und die Rechnung mehrfach wiederholt, jeweils ohne die größten Posts, damit ein einzelner Ausreißer das Ergebnis nicht trägt.
Über alle 42 Reels liegt der Zusammenhang bei 0,78 für Saves, 0,73 für Shares und 0,52 für Kommentare. Nimmt man den größten Post heraus, bleiben die Saves bei 0,73, während Shares auf 0,35 und Kommentare auf 0,26 einbrechen. Ohne die zwei größten: Saves 0,76, Shares 0,58, Kommentare 0,61. Ohne die drei größten: Saves 0,51, Shares 0,77, Kommentare 0,56.
Nur die Saves bleiben über alle Schnitte hinweg stabil. Shares und Kommentare springen und tauschen dreimal die Reihenfolge, je nachdem welche Posts man herausnimmt. Das heißt: Ihr Zusammenhang zur Reichweite ist nicht belegt, er hängt an wenigen einzelnen Posts.
Der Standard-Aufruf am Ende eines Reels zielt damit auf das Signal mit dem schwächsten belegten Zusammenhang. Wer stattdessen etwas produziert, das man sich aufheben will, arbeitet am stabileren Hebel. Bei einem Hotel ist das alles, was jemand später wiederfinden will: eine Empfehlung für die Region, eine Wanderung, die Antwort auf eine konkrete Frage.
Reichweite und Follower kommen nicht aus derselben Quelle
Ein Nebenbefund, der die Aufgabenteilung klärt.
23 Reels: 3.134 Aufrufe, 1.770 erreichte Personen.
13 Karussells: 2.544 Aufrufe, 1.001 erreichte Personen, 2 neue Follower.
3 Einzelbilder: 2.865 Aufrufe, 1.398 erreichte Personen, 12 neue Follower.
Reels holen Reichweite. Karussells liegen bei den Aufrufen nah dran, bei der Reichweite deutlich darunter, und vor allem fehlt ihnen die Spitze: Die vier stärksten Reels liegen bei 15.325, 8.199, 7.406 und 6.361 Aufrufen, das stärkste Karussell bei 5.610.
Dafür kam etwas anderes aus dem Feed. Alle 14 neuen Follower stammten aus Karussells und Einzelbildern, neun davon aus einem einzigen Bild. Bei drei Einzelbildern ist das dünn, aber es ist der einzige Hinweis im Datensatz darauf, wo Follower herkommen.
Die Arbeitsteilung: Reels für Reichweite, Feed-Posts für Bindung. Wer beides von einem Format erwartet, ist von einem davon enttäuscht.
Drei Messregeln, ohne die falsche Ergebnisse herauskommen
1. Nicht nach Interaktionsrate sortieren. Die Rate rechnet Interaktionen je tausend erreichte Personen. Fällt die Reichweite, steigt die Rate. Im Datensatz gut sichtbar: Das schwächste Format hatte gleichzeitig die höchste Interaktionsrate des ganzen Kanals. Wer danach sortiert, befördert genau das, was am wenigsten erreicht. Bezugsgröße ist immer der Median des eigenen Kanals.
2. Erst nach sieben Tagen bewerten. Dieselben Reels an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gemessen: Ein zwei Tage altes Reel legte in 24 Stunden noch 19,9 Prozent zu, ein drei Tage altes 8,9 Prozent, ein acht Tage altes 6,1 Prozent. Ab neun Tagen bewegt sich praktisch nichts mehr. Alles, was jünger als eine Woche ist, ist keine Bewertungsgrundlage.
3. Bezahlt und organisch nicht vermischen. Ein Reel mit Werbebudget dahinter ist keine Aussage über den Inhalt, sondern über das Budget. Vor jeder Auswertung prüfen, ob bezahlte Reichweite vorliegt.
Wo wir selbst falsch lagen
Das gehört dazu, weil es zeigt, wie leicht man sich in diesen Zahlen irrt.
Am 11. August hatten wir das Format „Koch kocht ein Rezept“ als funktionierend eingestuft. Grundlage waren drei Reels: eines mit 7.406 Aufrufen, also 236 Prozent des Medians, und zwei mit 46 und 37 Prozent. Aus dem einen starken Wert wurde ein Format abgeleitet und der Einbruch der anderen mit einer Zusatzregel wegerklärt.
Einen Tag später, bei der vollständigen Auswertung, war klar: Als Gruppe ist das Format mit 46 Prozent das schwächste des Kanals. Ein Ausreißer plus zwei Fehlschläge sind keine Bestätigung, und die Zusatzregel war nie geprüft, nur plausibel.
Dazu kommt ein Punkt, den wir bis heute nicht erklären können. Genau dieses starke Reel hat ein Verhältnis von Aufrufen zu Reichweite von 4,90. Alle anderen 22 Reels desselben Kanals liegen zwischen 1,37 und 1,86. Bezahlte Ausspielung ist ausgeschlossen. Was dort passiert ist, wissen wir nicht, und solange das so ist, taugt dieses Reel als Beleg für gar nichts.
Ehrlicherweise gehört dazu
Die Gruppen sind klein. Nur die Stimmungsbilder haben acht Reels, alle anderen liegen zwischen einem und drei. Die Aufstellung taugt dazu, jede Gruppe gegen den Kanal-Median zu lesen, nicht dazu, die kleinen Gruppen fein gegeneinander zu sortieren. Der Abstand zwischen 113 und 100 Prozent ist Rauschen, der zwischen 181 und 46 Prozent nicht.
Das sind drei Häuser, nicht die Branche. Süddeutscher Raum, vergleichbare Größe, vergleichbare Zielgruppe. Ein Stadthotel für Geschäftsreisende kann andere Muster haben.
Reichweite ist keine Buchung. Diese Auswertung misst, was Menschen sehen und aufheben. Ob daraus eine Buchung wird, steht auf einem anderen Blatt und hängt an allem, was nach dem Klick kommt.
Was wir daraus für die Planung ableiten
1. Weniger reine Stimmungsbilder. Sie sind bequem zu produzieren und liegen unter dem Schnitt. Als Lückenfüller in Ordnung, als Rückgrat des Kanals nicht.
2. Jemanden hindurchführen lassen. Nicht der Chef, sondern jemand aus dem Team. Etwas Zusammenhängendes: die Anreise, ein Rundgang, ein ganzer Tag. In der ersten Person, mit Blick in die Kamera.
3. Die Person etwas tun lassen, nicht nur da sein. Der Unterschied zwischen 181 und 91 Prozent liegt genau hier.
4. Auf Speichern optimieren statt auf Kommentare. Inhalte, die man wiederfinden will, statt Fragen, die man beantworten soll.
5. Karussells für Follower, Reels für Reichweite. Und nicht das eine am Maßstab des anderen messen.
Für wen dieser Beitrag relevant ist
Er lohnt sich für dich, wenn dein Haus regelmäßig Reels veröffentlicht und du das Gefühl hast, dass viel Arbeit hineingeht und wenig herauskommt. Dann ist die Frage meist nicht die Menge, sondern die Verteilung auf die Formate.
Er ist weniger relevant, wenn du noch gar nicht regelmäßig veröffentlichst. Dann ist die erste Aufgabe, überhaupt einen Rhythmus zu finden. Optimieren kann man erst, wenn es etwas zu optimieren gibt.
Quellen: Eigene Auswertung von 45 Instagram-Reels und 29 Feed-Posts dreier betreuter Hotels, Zeitraum 01.04. bis 12.08.2026, Datenabruf über Metricool und die Instagram-Schnittstelle am 12.08.2026, anonymisiert. Alle ausgewerteten Beiträge rein organisch, ohne Werbebudget.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ein Hotel posten?
Diese Auswertung sagt dazu nichts, weil sie Formate vergleicht und keine Frequenzen. Was sie sagt: Ein zusätzliches Stimmungsreel pro Woche bringt weniger als eines, in dem jemand durch etwas hindurchführt. Bei knapper Zeit ist die Verteilung wichtiger als die Menge.
Braucht es dafür eine Agentur?
Nein. Die drei stärksten Formate brauchen vor allem jemanden aus dem Team, der vor die Kamera geht, und jemanden, der eine Woche im Voraus plant. Die Technik ist der kleinere Teil.
Warum funktioniert das Rezept-Format nicht, obwohl Kochvideos überall laufen?
Sie laufen, aber bei anderen Absendern. Ein Kochkanal verkauft Rezepte, ein Hotel verkauft Aufenthalte. Der Inhalt zieht Menschen an, die kochen wollen, nicht Menschen, die verreisen wollen.
Was ist mit Trends und Sounds?
Dazu gibt dieser Datensatz nichts her, weil wir es nicht getrennt erfasst haben. Wir behaupten deshalb nichts darüber.
Wie messe ich das bei mir selbst?
Nimm alle Reels der letzten vier bis sechs Monate, wirf alle jünger als sieben Tage und alle mit Werbebudget raus, bilde den Median deiner Aufrufe, und sortiere jedes Reel in eine Formatgruppe. Dann lies jede Gruppe gegen deinen Median. Das ist eine Stunde Arbeit und ersetzt sehr viel Meinung.
Welche Formate tragen deinen Kanal?
In 30 Minuten gehen wir deine letzten Monate durch und zeigen dir, welche Formate bei dir über und welche unter deinem eigenen Schnitt liegen. Kostenlos, unverbindlich, kein Verkaufsgespräch.
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